Verein der Eisenbahnfreunde und Modelleisenbahner "Friedberg Suhl" und Umgebung e.V.


Vereinsaktivitäten

-Die Bayerische Waldbahn-


Platting - Deggendorf - Gotteszell - Zwiesel - Bayerisch Eisenstein - Klatovy (Klattau)


Die Bayerische Waldbahn von Plattling nach dem damaligen Eisenstein wurde in den Jahren 1874 bis 1877 in zwei Abschnitten erbaut. Sie und ihre Fortsetzung auf der damaligen östreich - ungarischen Seite überwinden das Massiv des Bayerischen Waldes an seiner zentralen Stelle. Der Scheitelpunkt der Linie liegt im heute tschechischen Spitzberg. Dieser, und auch einige der umliegenden Berge, wie z.B. der "Große Arber" bei Bayerisch Eisenstein ragen über die 1000m hinaus
Ausgehend von diesen topografischen Gegebenheiten - von Plattling bis zum Scheitelpunkt ist ein Höhenunterschied von 474m zu überwinden - wird schnell klar, dass es sich bei dieser Bahn um eine Gebirgsbahn mit allen diesbezüglichen Besonderheiten handelt.
Damit war natürlich für uns Eisenbahnfreunde ein Grund gefunden, sich diese Bahn im Rahmen einer Exkursion näher anzuschauen.
Über Schweinfurt, Bamberg, Hof, Marktredwitz, Cheb, Plzen, und Klatovy erreichten wir am Nachmittag Bayerisch - Eisenstein. Die Fahrt mit der CD durch Tschechien war dabei für den Eisenbahnfreund etwas ganz besonderes. Hier verkehren noch überwiegend richtige von Lokomotiven gezogene Züge. Auch die Fahrgeräusche über die Schienenstöße gibt es in Deutschland auf Hauptstrecken kaum noch.Und manchem unserer jüngeren Vereinsmitglieder mussten wir die Funktion einer "Gepäckabfertigung" erklären.
Da ab Cheb (Eger)auch das Wetter ein Einsehen hatte, konnten noch etliche gute Fotos geschossen werden.
Der zweite Tag führte uns in das Bayerische Lokalbahnmuseum, welches im ehemaligen Lokschuppen des Bahnhofes Bayerisch - Eisenstein eine Heimat gefunden hat. Hier wurde uns im Rahmen einer Führung Lebensläufe bayerischer Lokalbahnlokomotiven vorgestellt und auch so manches Andere von links und rechts der Strecke zum Besten gegeben
Leider war das Wetter am zweiten Tag nicht so gnädig mit uns. Die eigentliche Fahrt über die Strecke der Waldbahn wurde durch Regenschauer beeinträchtigt. Dennoch, durch die großzügigen Fenster der eingesetzten Regioshuttles waren die Ausblicke auf die durchfahrene Landschaft dennoch beeindruckend. Sogar ein Blick über die Schulter des Triebwagenführers war möglich.
An dieser Stelle möchten wir die Gelegenheit nutzen die Waldbahn etwas näher vorzustellen.
Die 71,6 Kilometer lange Bahnlinie beginnt in Plattling, überquert kurz vor Deggendorf die Donau aauf einer 365m langen Brücke, um hinter Degendorf mit dem Anstieg ins Gebirge zu beginnen. Da sich die im natürlichen Geländeverlauf vorhandene Steigung nicht direkt überwinden lies, wurde in der Nähe der Gemeine "Ulrichsberg" zur Streckenverlängerung eine sogenannte Doppelschleife angelegt. In dieser befindet sich auch der erste von zwei Tunneln. Im weiteren Verlauf mussten bis 29m tiefe Einschnitte und bis zu 45m hohe Dämme errichtet werden. dabei muß beachtet werden, das für den bau zur damaligen Zeit in dieser Waldgegend nur wenige und dazu meist schlechte Wege zur Verfügung standen.
Ab Regen läuft die Bahn im Tal des gleichnamigem Flusses. Hier speziell der Große und der Schwarze Regen. Beide Arme und ihre Zuflüsse werden im weiteren Verlauf auf mehreren zum Teil großen Brücken überquert. Die größte davon ist die Ohebrücke mit einer Länge von 308m und einer Höhe von 48m.
Eine Besonderheit ist auch das Empfangsgebäude des Bahnhofes Bayerisch - Eisenstein. Dieses ist 137,2m lang und liegt genau auf der Grenze Deutschland - Tschechien.
Es enthält alle Bahnhofsfunktionen zweimal. Einmal im deutschen Teil und noch einmal im tschechischen. So kann man beim tschechischen Bahnhofswirt oder beim deutschen Wirt Essen gehen. Die entsprechenden Zollformalitäten halten sich in Grenzen.
Der Bau des Bahnhofes kostete damals 3.339.00Mark. Die gesamte Bahnlinie wurde für 23.284.663Mark errichtet. Das sind 326.606.50 Mark pro Kilometer.
Die Fortsetzung der Waldbahn erfolgte damals durch die Pilsen - Priesener Eisenbahn. Die Strecke Klatovy (Klattau) - Eisenstein war 48km lang und wurde am 20.Oktober 1877 eröffnet. Auch sie hat zwischen Nyrsko (Neuern) und Eisenstein Gebirgsbahncharakter und windet sich in vielen Kehren die steil abfallende Ostseite des Bayerischen Waldes hinauf. Davon, wie hier die 437 Höhenmeter erklettert werden, konnten wir uns selbst überzeugen. Zur Querung des Gebirges waren 3 Tunnel erforderlich von denen der Scheiteltunnel im Spitzbergmassiv 1.747m lang ist. Nach Verlassen des Tunnels hat der Zug in kurvenreicher Bergabfahrt auf den nächsten 4 Kilometern wiederrum einen Höhenunterschied von 68m zu überwinden bevor er im Bahnhof von Bayerisch - Eisenstein zum Halten kommt.
Nach dem 2.Weltkrieg wurde der Eisenbahngrenzübergang zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der CSSR geschlossen und die Gleise zurückgebaut. Erst nach dem Ende der europäischen Teilung Anfang der 90er Jahre wurde über eine Reaktivierung nachgedacht und schließlich der Übergang am 02.Juni 1991 wieder eröffnet. Ein regulärer durchgehender Zugverkehr findet bis heute noch nicht statt. Alle Reisenden müssen in Bayerisch - Eisenstein umsteigen.
Unsere Exkursion führte über Plattling durch das Donautal nach Regensburg, von wo uns ein Triebwagen der BR 610 nach Nürnberg brachte.
In Bamberg erreichten wir dann wieder die Route unserer Hinfahrt und über Schweinfurt führte die Fahrt nach Suhl.

Verfasser: Manfred Schultz
Quelle: Die Bayerische Waldbahn SüdOst Verlag
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