Verein der Eisenbahnfreunde und Modelleisenbahner "Friedberg Suhl" und Umgebung e.V.


Die Baureihe 50.35


eine Rekolok der DR


Von den insgesamt 3141 gebauten Lokomotiven der BR 50 verblieben nach dem zweiten Weltkrieg im Bereich der sowjetischen Besatzungszone mit nur 350 Maschinen nur ca 10% des Gesamtbestandes. Für die zahlreichen Nebenstrecken mit 15 Mp Achslast standen somit neben Kriegsloks der BR 52 nur veraltete Lokomotiven aus der Länderbahnzeit zur Verfügung.

In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre erwies sich der für die Kessel der BR 50 verwandte Stahl als nicht alterungsbeständig, was den Lokomotivengpaß noch verstärkte. Eine Ausmusterung der relativ jungen maschinen kam nicht in Frage, weshalb die Deutsche Reichsbahn sich zur Neubekesselung von insgesamt 208 Lokomotiven entschloß. Dabei wurden die Loks gründlich umgestaltet, sodaß man von einer Rekonstruktion sprach und die umgebauten Maschinen als BR 50 Reko bezeichnete. Sie erhielt die neue Baureihenbezeichnung 50.35.

DEn Umbau der als 50 3501 bis 50 3708 eingereihten Lokomotiven übernahm zwischen 1958 und 1962 das Raw Stendal, welches bereits vorher für die Loks der BR 50 zuständig war.

Einsatzgebiet der rekonstruierten Fahrzeuge war zunächst ausschließlich die Rbd Magdeburg. Wohl jedes Bw dieser Direktion hatte einmal Loks der BR 50.35 im Bestand. Auf den Flachstrecken der Altmark und der Börde konnte man sie vor bis zu 1500t schweren Güterzügen erleben. Andererseits aber dampften sie mit 2 oder 3 Personenwagen "belastet" über die Nebenstrecken.

Ab 1966 wurden insgesamt 72 Lokomotiven auf Ölhauptfeuerung umgebaut. Dabei wurden sie nochmals umgenummert und nunmehr als BR50.50 (ab 1970 BR50.0) bezeichnet. Der Einsatz dieser ölgefeuerten Lokomotiven erfolgte ausschließlich in den nördlichen Reichsbahndirektionen Schwerin und Greifswald. Ihr Einsatz endete aufgrund der gestiegenen Ölpreise bereits 1981. Die letzten Leistungen wurden bei den Bahnbetriebswerken Angermünde und Pasewalk erbracht.

Da man im Norden zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht auf Dampflokomotiven verzichten konnte, gab die Rbd Magdeburg an die Direktion Schwerin und Greifswald kohlegefeuerte Loks ab, da sie in Magdeburg durch Neulieferung von Dieselloks nicht mehr benötigt wurden.

Aus gleichem Grund erfolgte Anfang der achtziger Jahre die Umsetzung zahlreicher Lokomotiven in die Rbd Dresden, wo sie die noch vorhandenen Altbau.50er ersetzten.

Dresden und Magdeburg waren nicht nur die beiden letzten Direktionen, welche Loks der BR 50.35 einsetzten, sie waren die letzten mit Normaldampf überhaupt. Als Mitte der achtziger Jahre genügend moderne Triebfahrzeuge zur Verfügung standen, war es auch damit vorbei.

In der Rbd Dresden setzte als letztes das Bw Glauchau die BR 50.35 ein. Im Mai 1985 wurden die letzten Leistungen erbracht, danach bot nur noch die Rbd Magdeburg Plandampf auf Normalspurgleisen.

Hier war es dem BW halberstadt, insbesondere der Einsatzstelle Oschersleben, vorbehalten, die letzten Dampfleistungen im Normalspurnetz der DR zu erbringen. Die drei noch bis Herbst 1988 zwischen Halberstadt und Magdeburg pendelnden maschinen waren begehrtes Fotomotiv ganzer "Heerscharen" von Eisenbahnfotografen.

Als im September 1988 diese Leistungen durch Dieselloks übernommen wurden, endete damit zum einen der Einsatz der BR 50.35, zum anderen ging damit das Kapital planmäßiger Normalspur-Dampfbetrieb in Deutschland zu Ende.

Verfasser: Manfred Schultz

Bilder zum Vergrößern anklicken

>
Bild
Lok´s des Bw Oebisfelde kamen mit Reisezügen bis Magdeburg.50 3690 wartet in Barleben auf die Weiterfahrt zum Rangierbahnhof Magdeburg-Rothensee.
Bild
Güterzüge im Raum Halberstadt waren viele Jahre eine Domäne der BR 50.35. Auf der Fahrt zum Heimatbahnhof Halberstadt erreicht ein solcher am 29.05.1983 den Bahnhof Wegeleben.
Bild
Außer auf der Srecke Döbeln - Leipzig kamen die 50.35 des Bw Nossen auch zwischen Nossen und Riesa zum Einsatz. Ein Personenzug nach Riesa verläßt im Oktober 1981 den bahnhof Ziegenhain.
Bild
Die Strecke Döbeln-Nossen-Dresden war im Güterverkehr Haupteinsatzgebiet der Nossener 50.35. Aus Richtung Döbeln näherte sich 50 3529 dem bahnhof Roßwein
Bild
Sowohl Salzwedel als auch Stendal beheimatete Loks der BR 50.35. So waren häufig Loks des einen BW im anderen zu Gast. 503653 des Bw Stendal hat einen Güterzug nach Salzwedel gebracht und wartet auf die Rückfahrt
Bild
50 3545 des Bw Wismar erhielt als eine der letzten DR-eigenen Loks im Raw Meiningen eine Hauptuntersuchung. Am Morgen des 19.11.1990 bereitet sie sich frisch lackiert auf die Rückfahrt nach Wismar vor
Bild
Außer auf der Srecke Döbeln - Leipzig kamen die 50.35 des Bw Nossen auch zwischen Nossen und Riesa zum Einsatz. Ein Personenzug nach Riesa verläßt im Oktober 1981 den bahnhof Ziegenhain.
Bild
Im Bw Karl-Marx-Stadt-Hilbersdorf lösen ab 1980 die Loks der BR 50.35 die Altbau 50er ab. Zum Einsatz kamen die Maschinen auf den von den Magistralen Dresden - Zwickau abzweigenden Strecken.
Bild
In Oschersleben endete die geschichte des planmäßigen Einsatzes der BR 50.35. Am späten Abend des 16.09.1988 wird 50 3662 in der Est. für den nächsten Einsatz vorbereitet.
Bild
Selbst Schnellzüge wurden mit der BR 50.35 bespannt. Im Bahnhof Thale steht D 2053 nach Berlin zur Abfahrt bereit.
Bild
Mitte der 80er jahre waren Einsätze der BR 50.35 des Bw Wittenberg schon selten. 50 3641 hat in Schwerin am 04.09.1984 als Sonderleistung einen Kranzug übernommen
Impressum Gästebuch Termine Link's Home