Sie sind groß, schwer und der Klang von Dieselmotor und
Turbolader ist nur eines ihrer markanten Merkmale. Von Betriebsbahnern und
Eisenbahnfreunden liebevoll „Ludmillas“ genannt, prägten diese starken,
6-achsigen „Russenloks“ seit Mitte der 70er Jahre das Bild der DR und sind auch
für die DB AG unverzichtbare Leistungsträger. Die Rede ist von den Maschinen
der Lokfamilie V 300.
1966 beschloss die Deutsche Reichsbahn, die Dampftraktion
hauptteilig durch Diesellokomotiven zu ersetzen. Dieses Ziel sollte bis 1975
umgesetzt werden. Allerdings konnte man nicht auf eigene Produktionen (V 100, V
180) zurück- greifen, da die hergestellten Stückzahlen nicht ausreichten. Somit
erklärt sich die Anschaffung der Maschinen aus Lugansk (ehem. Woroschilowgrad),
in der damaligen Sowjetunion. Das Werk war entsprechend leistungsfähig (1000
Loks jährlich) und man besaß jahrelange Erfahrung im Bau von
Großdiesellokomotiven.
Zuerst lieferte man Maschinen mit 2000 PS Motorleistung an
die DR aus. Bezeichnet als V 200 (ab 1970 BR 120) waren diese jedoch allesamt
Güterzug-lokomotiven, da sie keine Zugheizung für Reisezüge besaßen.
Erst beim Nachfolgerbautyp sollten die
Konstruktionsforderungen der Reichsbahn (z.B. von 3000 PS Leistung (V 300), el.
Bremse, einer Radsatzfahrmasse von maximal 18 Tonnen, el. Zugheizung, Vmax 120
km/h oder einem elastischem Antrieb) berücksichtig werden. Auf der Leipziger
Frühjahrsmesse 1970 wurde dem Publikum das erste Baumuster der neuen Serie
vorgestellt. 130 001 ging jedoch nach Lugansk zurück, ohne von der DR erprobt
worden zu sein.
Die technischen Forderungen fanden kaum Berücksichtigung, da
die Serienproduktion für die DDR bereits ein Jahr
zuvor begonnen hatte und demzufolge Änderungen kostenaufwändig bei laufender
Produktion durchgeführt werden mussten.
Somit erhielt die Reichsbahn ab 1970 insgesamt 80
Lokomotiven der Baureihe 130, die zwar mit 3000 PS und einer
Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h auf- warten konnten, aber da wiederum eine
Zugheizanlage fehlte, waren sie ebenfalls nur für Güterzüge tauglich. Diese
Problematik setzte sich bei den 76 Maschinen der folgenden BR 131 fort.
Immerhin hatte man die Höchstgeschwindigkeit auf ein für Güterzüge akzeptables
Tempo von 100 km/h reduziert und die Anfahrzugkraft verbessert, aber eine elektrische
Heizanlage für Reisezüge der DR suchte man auch hier vergebens.
Auf zwei Baumusterlokomotiven (130 101 und 102) wurde
schließlich Ende 1972 in Halle/Saale ein für die V 300-Familie tauglicher
Heizgenerator erprobt und ein Jahr später bekam die DR die ersten der lange
erwarteten Lokomotiven der Bau- reihe 132. Sie besaßen endlich die geforderte elektrische
Zugheizung und waren mit 120 km/h Vmax universell für den schweren Schnellzug-
und Güterzugdienst geeignet. Die Serienlieferung endete 1982 bei einer
Stückzahl von 709 Maschinen dieses Typs. Erwähnt sei hier noch die Tatsache,
dass ab 1976 die DR weitere 6 Lokomotiven mit einer Leistung von 4000 PS (BR
142) einsetzte. Sie sollten die einzigen sein, die aus Lugansk die erwartete elastische
Fahrmotoraufhängung erhielten. Doch waren auch diese Großdieselloks, genauso
wie die Baureihen 130-132, weit über der angegebenen Achsfahrmasse von 18t.
Somit lässt sich nicht abstreiten, dass nicht eine der insgesamt 873 gebauten
Lokomotiven den Anforderungen der Deutschen Reichsbahn entsprachen.
Durch das hohe Eigengewicht blieb die Einsatzfähigkeit
größtenteils auf Haupt- bahnen beschränkt. Allerdings konnten dadurch etliche
Dampf- und leistungs- schwache
Diesellokomotiven ersetzt werden. Unter Oberleitung konnte man oft Loks dieser
Baureihen antreffen, aber natürlich konzentrierten sich die Einsätze auf die
nicht elektrifizierten Hauptstrecken der DR, dort überwiegend im schweren
Güterzug-, Städteexpress-, oder Eilzugverkehr. Aber auch Schiebe- oder Vor- spannleistungen, vor allem auf den steigungsreichen
Strecken der Mittelgebirge, waren oft in 131er Plänen aufzuweisen.
Nach der Wiedervereinigung erweiterte sich das Einsatzgebiet
für die BR 132 (seit 1992 BR 232). Standen Anfangs noch die hochwertigen
IC-Verbindungen nach Berlin als neue Glanzleistung zu Buche, wurden z.B. ab
April 1993 Zugleistungen im Ruhrgebiet erbracht. Jedoch verschwanden die
Baureihen 230, 231 und 242 kurz darauf aus dem DB AG Bestand. Einige Exemplare
dieser Gattungen werden noch für museale Zwecke erhalten oder sind auf das
Interesse von privaten Bahnunternehmen gestoßen, welche sie bundesweit im
Güter- und Bauzugdienst einsetzen.
Um den Instandhaltungsaufwand zu senken, eine höhere
Verfügbarkeit zu gewährleisten, die Umwelt weniger zu belasten und die
Einsatzfähigkeit zu verlängern, erhielten 64 Loks der BR 232 im Rahmen des
„Umbau-Projekt 233“ neue Dieselmotoren. Diese, seit 2002 bundesweit
eingesetzten Maschinen, be- hielten ihre Ordnungsnummer bei, sind aber als Unterbaureihe
233 beziffert.
Bei der BR 234 handelt es sich ebenfalls um ehemalige 232er,
welche für höhere Fahrgeschwindigkeiten bis zu 140 Km/h und Wendezugsteuerung
bereits ab 1992 aufgearbeitet wurden. Durch eine hohe Störanfälligkeit sind
allerdings viele 234er mittlerweile ausgemustert.
Weitere zehn 232er wurden ab 1999 für den
grenzüberschreitenden Güterverkehr nach Belgien und die Niederlande modernisiert,
auf 4000 PS getrimmt und als BR 241 bzw. 241.8 eingereiht. Doch konnten nur die
fünf Maschinen der BR 241.8 nach Belgien ausreichend überzeugen.
Obwohl bereits einige 232er verschrottet sind und sich das
Einsatzspektrum durch Wegfall von Transportleistungen und angemessenen
Neuanschaffungen (Trieb- wagen) erheblich verändert hat, werden sie und ihre
Schwesterbaureihen als stärkste Dieselloks im Bestand der DB AG im gesamten
Bundesgebiet nach wie vor benötigt. Überzeugen sie nicht zuletzt durch
Wartungsfreundlichkeit, Leistungsfähigkeit und russischer Robustheit.
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132 145 durchfährt am 01.06.1991 den bahnhof Seebergen. Typisch für Lokomotiven im Güterverkehr ist die starke Lüfterverschnutzung durch den Dauerbetrieb mit hoher LeistungFoto: M. Schultz |
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Prinzipiell sind alle Führerstandseinrichtungen der V300er gleich aufgebaut, wie hier zu sehen bei 131 072, einer Museumsmaschine des BW Arnstadt/Hist.Fot: S. Bickel |
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Die Verbindung Nürnberg - Dresden ist nicht durchgehend elektrifiziert. Darum muss Dieselkraft herhalten. Im Hauptbahnhof Nürnberg steht abfahrbereit 232 156 mit einem IC. Mittlerweile ist auch diese Ära dank triebwagen zu Ende.Foto: T. Sauerbrey |
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Ebenfalls im IC-Verkehr stand 234 180 am 06.08.2006 in Lindau am Bodensee. Zum ankoppeln des Zuges fuhr die Maschine des BW Ulm an den BahnsteigFoto M. Walter |
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Saalfeld , Juni 2006. Hinter 4070.51, in ehemaligen KEG - Outfit, wartet 232 003 mit einem Ganzzug beladener Niederbordwagen auf Weiterfahrt in Richtung UnterwellenbornFoto: M. Walter |
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Am 13.05.2003 gelang es diese 232 mit einem Schüttgutwagenzug an der Burg Saaleck kurz vor Bad Kösen abzulichtenFoto: D. Schneider |
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Dieser Schnappschuss von W 232.08 und .10 gelang im BW Eisenach. Beide Maschinen gehören einem privaten Verkehrsunternehmen und erhielten in Eisenach eine FarbbehandlungFot: D. Schneider |
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Die abgestellte 232 532 und eine Schwestermaschine trugen im BW Halle G noch den "Latz" unter den Stirnfenstern. Das Bild entstand am 01.03.2003Foto: M. Walter |
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232 601 erreicht mit einem ganzzug aus 4-achsigen O-Wagen den deutsch - polnischen Grenzbahnhof Horka. Die letzten Sonnenstrahlen des 27.02.2006 machten ein fotografieren gerade noch möglich.Foto: M. Walter |
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Mit einem Schwertransportwagen für Transformatoren des Umspannwerkes "Suhl-Friedberg" hatte eine ganz andere Last am haken. nach der Verladung erfolgte die Abfahrt aus dem BF Zella -Mahlis.Fot: D. Schneider |
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Auf einem Abstellgleis des Bf Großkorbetha steht 233 306 für ihre nächsten Aufgaben bereitFoto: S. Bickel |
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Jahrelang ein gewohntes Bild - 132 217 verließ am 23.10.1990 mit dem D 902 den Brandtleitetunnel bei OberhofFot: M. Schultz |