Ein ganz normaler Arbeitstag......

...das tiefe pulsierende Dröhnen meines Kopfes ließ meine Nachtruhe zu Ende gehen. Meine Augen hatten Mühe sich zu öffnen. Die gestrige Feier der Freiwilligen Feuerwehr war doch sehr anstrengend. Wie ich nach Hause kam ist mir glatt entfallen.
Bin ich überhaupt zu Hause???
Also Augen doch auf. Es ist schon hell, viel zu hell. Das Licht hämmert erbarmungslos auf meine Sehnerven. Aber es war wenigstens mein Zimmer. Augen wieder zu, Sehnerven entspannen. Dennoch, der Kopf hatte keine klare Kennung. Irgendwie war die Umwelt recht unruhig, so in ständig kreiselnder Bewegung.
Ein Schreck fraß sich durch mein gemartertes Hirn. Wieso ist es schon so hell? Also Augen wieder auf, und versucht das Bild "Wecker" zusammenzufügen. Nächster Schreck, es ist schon 10.00Uhr....Für 9.00Uhr hatten wir heute einen Arbeitseinsatz im Verein festgelegt. Es standen Polstererarbeiten auf dem Plan, und ich hatte mich bereit erklärt die Lederteile zuzuschneiden.
Da wir keinen eigenen Polsterer hatten, hatten wir einen ortsansässigen Polsterer für diese Arbeiten gewonnen. Und ich fehle. Das sind die besten Voraussetzungen für großen Ärger.
Wie kommt man aber aus dem Bett, wenn der Kopf endlich die Notwendigkeit einsieht, aber der Körper so voll "Außer Betrieb" ist? Die paar Schritte zur Dusche mußten einfach möglich sein. Ständig nach Orientierung suchend, mit weichen Knien ging es zur Dusche. Eine Ladung kaltes Wasser, zwei starke, überstarke Kaffee, brachten wenigstens etwas Klarheit. Nun konnte es losgehen zum Arbeitsort auf dem Vereinsgelände.
Das Auto zu nehmen, habe ich mich nicht getraut, obwohl ich sicher besser gefahren wäre, als gelaufen.
Der Magen zählte jeden Schritt mit. Der Kaffee, für den Kopf gut, hat ihm nicht so gut getan. So kam es dann zwangsläufig, glücklicher Weise in einer Grünanlage, zur "Inventur".
Danach ging es mir endlich besser. Ich schlich in den Arbeitsraum. Der Empfang dort war schlimmer als erwartet. Der Polsterer hatte die ersten Teile selbst zuschneiden müssen, und war nicht so weit wie erwartet. Unsere gute Seele Gerlinde, war garnicht gut und ging wie ein Gewitter über mich hernieder. Vor allem laut, und das tat nun wieder im Kopf seine Wirkung.
Um die Lage zu entspannen und die Gereizten zu besänftigen, versprach ich über die Mittagspause, wenn alle nach Hause gehen,das Versäumte nachzuholen. Mir war der Hunger eh noch nicht gekommen.
Ein blödes Versprechen.
Der Polsterer hatte ein besonderes Messer für den Zuschnitt. Er gab es mir aber nicht. Er hatte Angst, dass ich mir in meinem Zustand einen Arm oder ein Bein amputiere. Er gab mir eine gute Schere.
Kurz im Kopf kalkuliert, es sind noch 36 Teile zu schneiden, in einer Stunde bin ich fertig.
Denkste
In einem Anfall von Mut legte ich gleich drei Lederstücke übereinander, die Schablone drauf, und begann zu schneiden. Als ich die ersten drei ausgeschnittenen Teile auf dem Tisch hatte, war meine rechte Hand bereits von zwei schönen Blasen gezeichnet.
Die Anderen waren inzwischen nach Hause gegangen, und ich konnte mich nun freier einrichten. Da ich aus unerklärlichen Gründen geradezu in Schweis badete, wurde alles bis auf Short und Hemd abgelegt. Mein Short zeichnete sich auf Grund des Alters, durch größere Beinfreiheit aus. Ein Hosenbein hätte einer 16jährigen gut für einen Rock gereicht. Klar, dass da hin und wieder etwas hervorlugte, was ein anständiger Mann normalerweise nicht öffentlich zeigt. Nun ich war ja allein. Doch es sollte böse Folgen haben.
So gerüstet ging also die Arbeit weiter. Trotz allem lag aber unter der Schablone beim nächsten Zuschnitt nur noch ein Lederstück. Nach einer Stunde war gerade die Hälfte der Teile zugeschnitten, und jeder Zuschnitt dauerte länger. Mit der Zeit wußte ich nicht mehr wie ich eine Schere halten sollte. Ich war überzeugt in der nächsten Nacht von Scheren zu träumen. Da ich zwischenzeitlich die andere Hand nehmen mußte, um überhaupt noch schneiden zu können, hatten nun beide Hände Blasen. Es wurde immer schwerer meinem gemarterten Körper wieder eine Lederrunde zu entlocken. Da ich die Schere inzwischen als Todfeind ansah, kamen aus der vereinseigenen Werkbank immer mehr Werkzeuge zu Hilfe. Die Zeit, da alle wieder eintreffen, rückte heran. Endlich kam das letzte Leder dran. Mit letztem Willen wurden auch die letzten Schnitte ausgeführt. Mir war ganz schlecht, ob vor Hunger, oder der allgemeine Zustand , es wurde mir fast schwarz vor Augen. Doch auch dieses Teil wurde fertig. Nun doch mit Freude etwas Großes geschafft zu haben, begann ich schnell noch aufzuräumen. Die Reste zusammen gefegt, bis auf die Schere natürlich, legte ich das Werkzeug in die Schublade der Werkbank. Nun doch wieder in guter Stimmung, nahm ich alle Lederteile auf beide Arme, und schob mit den Oberschenkeln schwungvoll die Schublade der Werkbank zu.....

......ein beklemmender, stechender Schmerz aus meiner Leistengegend, schaltete in mir einen geradezu tierischen Schrei ein. Gerade als die Werkstatttür aufging......


PS:
Ein halbes Jahr konnten jede Art von Verhütungsmittel gespart werden. Auch im Verein war ein volles Jahr Pause. Mein einfaches Erscheinen ließ jede sinnvolle Tätigkeit zu Ende gehen.... Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht zu sorgen