Ein lieber Papi..........doch lassen
wir ihn selbst erzählen
Kennst du Ernst? Ein Bär von
Gestalt. Knapp zwei Meter groß. Ein Kreuz wie ein
Kleiderschrank. Er hatte aber auch Kräfte wie ein Bär.
Ich dagegen muß zugeben, eher das Vorbild für eine
Stangenbohne gegeben zu haben. Beide arbeiten wir auf einem
Güterboden. Es nimmt daher kein Wunder, das er für das
Verladen zuständig war, ich mehr für den
Schriftkram.
Eben diesen Ernst habe ich um Hilfe bei einem Schranktransport
gebeten. Meine Tochter war jetzt in einer eigenen Wohnung. Ich
betone Altbauwohnung. Eine Vorstadtvilla. Da hatte sie im
Dachgeschoß Wohnküche, Stübchen und Schlafraum.
Musste früher mal die Dienstbotenwohnung gewesen sein. Sie
hatte nur einfachen Dielenfußboden. Jeder Ast, jeder Nagel
trat deutlich zutage. Der Geräuschpegel war enorm. Sie
hätte sich auch gern neu eingerichtet, aber da fehlte etwas
zwischen Daumen und Zeigefinger. Das Angesparte reichte gerade,
um die alten, ausgelatschten Dielenbretter mit Parkett zu
überdecken. Die Möbel waren zusammen gestoppelt von
Verwandten und Bekannten. Uns anpumpen wollte sie nicht. Sie
wollte es allein schaffen. Und so schlimm waren die Möbel
auch gar nicht.
Wenigstens konnte ich beim Fußboden helfen. Alte Dielen
schleifen, ausgleichen, nachnageln.....Parkett legen.
Da in der Wohnung nicht gerade üppig Platz war, wurde erst
eine Hälfte der Wohnung hergerichtet, dann die Möbel
umgetragen. Dann begann die Arbeit in der anderen Hälfte.
Die Arbeit ging dadurch nicht gerade flott von der Hand, und ich
war froh bald alles überstanden zu haben. Es war eine Woche
vor Weihnachten. Weihnachten sollte alles fertig sein.
Im zukünftigen Stübchen war noch ein csa 1,5m breiter
Streifen im alten Zustand. Dort stand das Schmuckstück. Ein
recht hoher Schrank aus vergangenen Tagen. Ein solcher mit etwa
35cm langen, etwas schrägen Füßen. Das war mal
Mode. Das schöne Stück eben sollte heute diese 1,5m
gerückt werden, um das restliche Arbeitsfeld frei zu geben.
Dafür brauchte ich Ernst.
Aber wie es nun mal ist, zur vereinbarten Zeit war er nicht da.
Ein Anruf brachte Klarheit. Er hatte kurzfristig noch eine
Lieferung erhalten, und musste noch entladen. Dann wollte er
gleich kommen. Es würde aber noch ca eine Stunde dauern.
Eine Stunde warten, so ein Mist. In drei Stunden beginnt mein
Dienst. Mein ganzer Plan im Eimer.Ich wurde sichtlich
nervöser, und sah immer öfter auf die Uhr.
Endlich kam Ernst, und wir konnten in die Wohnung meiner Tochter
fahren. Sie arbeitete noch, würde später kommen. Bis
dahin sollte der Schranktransport schon lange vergessen sein.
Doch was ich nun sah, ließ mir die Nackenhaare kringeln.
Der Schrank war garnicht ausgeräumt. Ein Sammelsurium an
Geschirr, Besteck, ein Toaster......alles noch drin. Nun war es
mit meiner Beherschung vorbei. Besser wenn ich meine Worte
über die unüberlegte Jugend, die nicht fähig ist
zu denken, im Einzelnen für mich behalte.
Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter. Ernst sah
mich an, und sagte:"Walter, reg dich ab. Das machen wir trotzdem.
Sind doch nur 1,5m". Zweifelnd sah ich an ihm hoch. Sein
Optimismus steckte an. Also gut, versuchen wir es.
Ernst ging auch gleich an sein Seite, und hob den Schrank satte
30cm aus. Aber ich.....ich bin nicht Ernst, schaffte nur knapp
3mm. Und das auch noch mehr schlecht als recht. Die alten Dielen
erhielten jetzt ihre letzten Schrammen. Bis an die Kante des
neuen Parkettes ging´s noch leidlich. Der Absatz dort war
aber 1,5cm hoch. Ich legte alle meine Kräfte in den letzten
Hub. Sie reichten nicht. .....
 |
.....mit einem hässlichen
Geknister verließ das vordere Schrankbein auf meiner Seite
seinen eigentlich fest verleimten Winkel. Was nun kam, konnte
selbst Ernst nicht aufhalten. Nach einem betäubenden Krachen
und Klirren, warteten wir bis der Staub sich verzogen hatte. Mir
war gleich klar, hier war ein neuer Schrank fällig .....
neues Geschirr.....und unter Tränen in den Augen kam die
Erkenntnis, neues Parkett.
Doch des Leidens sollte noch kein Ende
sein.
Es klingelte an der Wohnungstür. Eine ältere Dame stand
kreidebleich in der Tür. Sie zitterte und sagte kein Wort.
Ging wohl auch garnicht. Sie nahn mich am Ärmel und
führte mich in ihre Wohnung.
Hier hatte der Rums auf die Holzdecke einen etwas gewichtigeren
Leuchter von der Decke gepflückt. In diesem Haus war unter
der Holzdecke ein Stroh - Drahtnetz als Putzträger
aufgebracht. Darunter verlief das Zuleitungskabel zum Leuchter.
Die Klemme zwischen dem Leuchter und dem Kabel hatte
gehalten.
Es kam ja so viel Gutes von oben .....m².... .Stuck.... und
es lag so viel unten.
Die Dame sprach noch Stunden später nicht mit mir.
Dafür fand ihr Anwalt treffende Worte.
Vier Jahre fiel der Urlaub aus, und um meine Freizeit musste ich
mir lange keine Sorgen machen
War da am Beginn unserer Aktion nicht
etwas mit Jugend und nicht nachdenken....????
.