Verein der Eisenbahnfreunde und Modelleisenbahner "Friedberg Suhl" und Umgebung e.V.


Ein begnadeter Eisenbahnfilmer..........doch lassen wir ihn selbst erzählen

Ich habe, kann ich stolz berichten, eigentlich Fotos und Filme von allen möglichen Eisenbahnstrecken Deutschlands, auch solche, die schon längst vergessen sind. Man ist ja schließlich schon Jahre im Geschäft. Da allerdings das Archiv mit der Zeit Maße annahm, die ein friedliches Zusammenleben mit der Ehefrau immer unwarscheinlicher machte, entschloß ich mich schweren Herzens, nur noch Sahnestücke vor die Kamera zu nehmen.

An einem Wochenende war es nun wieder einmal so weit.Auf einer Schmalspurstrecke sollte zu einem Jubiläum ein historischer Sonderzug fahren.
Als Filmer geht man natürlich am Tag vorher die Strecke ab, um die möglichst besten Standorte zu finden. So hielt ich es natürlich auch. Da die Fahrt für den Sonntag geplant war, sah man mich am Samstag gut gerüstet unterwegs. Es sollten natürlich besondere Standorte werden, möglichst solche, die andere noch nicht hatten. Man hat ja seinen Stolz.
Also erst einmal mit dem Auto zu einer Endhaltestelle und die Strecke mit einem fahrplanmäßigen Zug abgefahren. Dabei wurde eine Vorauswahl getroffen. Diverse Standorte ergaben sich an Haltestellen, Wegübergängen und der Strecke. Nun wurde kalkuliert und gerechnet, aber wenn ich alle Punkte abarbeiten wollte, hätte der Zug die Strecke drei mal durchfahren müssen. Er fuhr aber nur einmal. Die Wahl fiel schwer. Ich entschied mich für den Abgangsbahnhof, einen Wegübergang und eine große Wiese, welche in einer leichten Rechtskurve den Zug lange im "Sucher" lassen würde. Bahnhof und Wegübergang boten keine Probleme. Die Wiese wollte ich genauer in Augenschein nehmen. Also nichts als hin. Dort fand ich einen kleinen Feldweg, der an einem ehemaligen Baustofflager endete. War wohl mal das Material zum Wegebau, Schlacke und so. Den Rest des Weges, etwa 200m, mußte ich zu Fuß zurücklegen. Bei einem Überblick über die Strecke entdeckte ich etwas was mein Herz höher schlagen ließ. Da gab es einen offenen Durchlaß. Jetzt entstand mein kühner Plan, den vorbei fahrenden Zug direkt am Schwellenende zu filmen. Quasi mit dem Ohr an der Schwelle. Das hatte ich noch nicht. Also hin und den Standort begutachten....
Als ganz einfach erwies sich mein Vorhaben nicht. Im Bereich vor dem Durchlaß war der Boden nach den Regenfällen der vergangenen Woche recht tief. Nachdem ich zweimal meine steckengebliebenen Halbschuhe ertaucht hatte, packte mich der (Über)Mut und ich zog die Schuhe ganz aus. Barfuss erreichte ich mein Ziel, und mußte feststellen, daß hier im Graben das Wasser über meine Waden reichte. Das war dem Erscheinungsbild meiner Hose nicht sonderlich zuträglich. Geistig festgehalten; Gummistiefel mitnehmen. Nun stand ich endlich am Ziel meiner Wünsche. In Augenhöhe zogen die Gleise an mir vorbei und ich hatte einen Überblick über die ganze Kurve. Doch halt. Da stand ein Busch im Wege. Also, der sollte mich nicht hindern. "Entfernen" sagte mein inneres Vorschaubild.
Mit Grausen dachte ich daran, dass mein Klappspaten im Auto lag. Der Einfachheit halber ging ich gleich Barfuss über die Wiese zurück zum Auto. Schmerzlich erkannte ich, dass ein Baustofflager keine Wiese ist. Hätte ich nur die Schuhe.....
Wieder zurück, wurde der Busch ausgegraben und am Wiesenrand wieder eingegraben. Man will sich ja nichts nachsagen lassen.
Der nächste Blick ging über die Strecke. Er zeigte in ca 30m Abstand eine Pfeiftafel, welche recht schief stand. Mit Spaten und Manneskraft wurde die Sache bereinigt. Noch etwas Gras entfernt, den Platz für die Kamera planiert, eben alles vorbereitet.
Sichtlich zufrieden, an alles gedacht zu haben, aber doch etwas ramponiert ging es dann nach Hause.
Alle Akku´s noch mal an´s Ladegerät, Gerätetechnik überprüft.
Es sollte ein besonderer Film werden. Wurde es auch, dieß sei schon mal verraten.
Siedent heiß kam mir schon fast im Schlaf der Gedanke, was ist wenn die Lok Dampf oder heißes Wasser um sich verteilt. Integralhelm vom Motorrad und ein dicker Mantel dessen Kragen man hochstellen kann wurde eingepackt. Mit der Gewißheit, an alles gedacht zu haben, konnte endlich der Schlaf kommen.

Der Sonntag brachte dann alles was man sich nur wünschen konnte. Schönes sonniges Wetter und beste Sicht. Die ersten Filmstandorte wurden abgearbeitet und der Weg zur Wiese angetreten. Jetzt in Stiefeln. Am Ziel angekommen, erwiesen die sich allerdings als zu kurz. Sie liefen bis zum Rand voll. Doch nun gab es kein Halten mehr. Die Kamera wurde aufgebaut. Das Mikrofon kam in einige seitliche Entfernung. Ein Blick durch den Sucher. Da wedelt noch Gras im Bild. Das muß weg.
Jetzt ist alles in Ordnung. Noch ist etwas Zeit zum Durchschnaufen und beruhigen. Es wurde unter Helm und Mantel doch merklich warm. Trotz allem fanden aber die Mücken ihr Ziel. Wo war´n die eigentlich gestern???
Noch ein zufriedener Blick durch den Sucher. Doch was war das? In mir brach ein schwerer Vulkan aus. Puls 210. Da steht noch ein Filmer in 50m Abstand. Und das in so einem häßlichen gelben Wetterding. Ein Schrei aus dem Tiefsten meiner gepeinigten Seele (Marke King Kong) verteilte sich auf der Wiese. Das wirkte. Der Kumpel hatte ein Einsehen. Er ging hinter eine Buschgruppe. Das gelbe Ding muß er auchausgezogen haben, jedenfalls sah ich ihn nicht mehr. Geistig vorgemerkt: wenn ich ihn treffe, einen ausgeben.
Wieder durch den Sucher geschaut, fiel mir auf, daß das Signal dahinten auch nicht ganz gerade steht. Nun, das mußte ich akzeptieren. Konnte in der Kürze der Zeit ohnehin nichts daran ändern. Vor allem nahte der Zug. Man konnte ihn schon hören.
Da kam er. Ein wunderschönes Bild. Er kam näher und näher. Die Kamera lief. Ohne Zwischenfall fuhr die Lok in unmittelbarer Nähe an mir vorbei. In einer wundervollen Nähe. Von oben, vom Heizer hörte ich was von einem Bekloppten.... Das Mikrofon stand weit genug weg. Dann kamen die Wagen. Heute störten mich auch nicht die Fan´s die mit Motorradbrille aus den Fenstern hingen, um auch nichts vom Geruch und den Geräuschen der Dampflok zu verpassen. Ich stand heute auf Fahrwerke und die ersten liefen vorbei......

....drastisch wurde ich auf einen Gedankengang hingewiesen, den ich nicht gedacht hatte. Es war ein wunderschön nostalgischer Zug. So einer mit geraden Abbordrohren nach unten.....

.....in ca 1m Abstand schlug in Augenhöhe die Ladung ein......

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