Mitte
der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde bei der DR über einen
elektrischen Schnellverkehr mit einer Reisegeschwindigkeit von 160 Km/h
nachgedacht. Nach ersten Planungen einer Lokomotive mit entsprechenden
Anforderungen, wurden diese Überlegungen bereits 1966 eingestellt, da der
Ministerrat der DDR beschloß, das E-Programm auf ein Minimum zu reduzieren.
Doch
parallel zur Entwicklung der neuen 6-achsigen Güterzug-E-Lok BR 250, griff die
DR 1973 den Gedanken eines Neubaus einer Reisezug-Elektrolokomotive erneut auf.
Der Konstruktionsgrundsatz sah, wie bei den betagten Baureihen 211/242, eine
Schnellzuglok (BR 212) mit 140 Km/h Höchstgeschwindigkeit und eine
Mehrzwecklokomotive (BR 243) mit 120 Km/h Höchstgeschwindigkeit vor.
Fahrzeugteil und elektrischer Teil sollten, für eine optimale Instandhaltung,
von der BR 250 übernommen werden. Die endgültigen Technischen Bedingungen für
die neuen Konstruktionen wurden nach langem Hin und Her zwischen dem Hersteller
(LEW Henningsdorf) und der DR aber erst 1980 unterzeichnet. Dies war auch
dringend nötig, da zum einen die Elektrifizierung im Netz der DR weiter
fortschritt, mehr E-Loks also benötigt wurden, zum anderen die 250er für viele
Aufgaben zu überdimensioniert waren.
Bei der Fertigung fand der neueste Stand der Technik Berücksichtigung. So kam zum Beispiel ein erprobtes, weiterentwickeltes Thyristorschaltwerk zum Einbau sowie aktuellste Steuer- und Regelungstechnik. Die geräumigen, klimatisierten Führerstände sind nach den damaligen Erkenntnissen der Arbeitsmedizin und Ergonomie eingerichtet worden und der Antrieb war für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Km/h ausgelegt. Eine Dickköpfigkeit der Konstrukteure, die sich später als sehr nützlich erweisen sollte.
Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1982 wurde der
Öffentlichkeit der neue, 140 Km/h schnelle Prototyp 212 001 vorgestellt.
Offiziell nach nur 15 Monaten Planung! Der weiße Anstrich mit den roten
Streifen brachte dieser Lokomotive den Spitznamen „Weiße Lady“ ein. Sie sollte
für immer im Eigentum von LEW, später AEG, bleiben.
Nach 90.000 gefahrenen Kilometern im schweren
D-Zugdienst zwischen Erfurt – Halle – Berlin, stand für die 82,0t schwere
„Dame“ die Probezerlegung im RAW Dessau an. Dabei änderte man die Getriebeübersetzung
auf 120 Km/h, passte die Bremsen an und schrieb den Prototyp in 243 001 um.
1983 wurde die Erprobung nach weiteren 400.000 Testkilometern zwischen Dresden
und Berlin abgeschlos-sen und im folgenden Jahr lief die Serienproduktion mit
243 002 an.
1988 waren bereits über 370 Maschinen in Dienst
gestellt und kamen über-wiegend vor Städteexpress- und Personenzügen (auch
S-Bahn) aber auch vor mittelschweren Güterzügen zum Einsatz. Die BR 243 hatte
ihre Betriebstaug-lichkeit als „Mädchen für alles“ bestens bewiesen.
In der Nach-Wende-Zeit bewahrten viele 243er,
mittlerweile in DB Baureihe 143 umgezeichnet, die Bundesbahn vor dem
„Lokinfarkt“. Da im Altbundesgebiet ein Lokmangel, bei der DR durch wegfallende
Transportleistungen ein Loküberhang, bestand. Kurzerhand mietete die DB bis
1994 150 dieser „Ostloks“, wie die Bundesbahner sie bezeichneten.
Ebenfalls nach der Wende baute man viele Magistralen
der DR auf 160 Km/h aus. Allerdings besaß die Reichsbahn keine Lokomotiven für
diese Geschwindigkeit und die Schnellzugloks der Bundesbahn standen kaum zur
Verfügung. Da 1991 in Henningsdorf die Produktion der 243er auslief, der
Antrieb sowieso für 160 Km/h ausgelegt war und für die schnellere Variante kaum
Änderungen vorzunehmen waren, baute man für die DR 39 Lokomotiven mit einer
Reisegeschwindigkeit von 140 Km/h. Diese Serie wurde als BR 112.0 eingereiht
und am 01.04.2000 in die BR 114 umgezeichnet. Seit Mitte der 90er Jahre sind
sie für 160 Km/h zugelas-sen.
Ende 1992 wurden die ersten 160 Km/h schnellen E-Loks
der Baureihe 112.1 ausgeliefert. Die insgesamt 90 Maschinen wurden zusammen von
DB und DR bestellt um im neuen innerdeutschen Schnellverkehr eingesetzt zu
werden.
Unter Regie der DB AG kamen die robusten 143er zum
Nahverkehr und sind im gesamten Bundesgebiet vor RB, RE, IRE und vor allem im
S-Bahnverkehr anzutreffen. Momentan sind 647 Loks im Einsatz und es werden
Umbauten für 160 Km/h als weitere BR 114.1 erprobt.
Die 112er, welche allesamt lange Jahre in Berlin
stationiert waren, sind mittlerweile durch modernere E-Loks wie BR 101 ersetzt.
Nun verrichten sie ihren Dienst in 143er Umlaufplänen beim DB Regio Betriebshof
Cottbus.
Dennoch kann man wohl
davon ausgehen, dass man die „Ostloks“ noch einige Jahre auf Deutschen Gleisen
antreffen wird. Vor allem im Nahverkehr kann die DB AG nicht auf diese
gelungene Konstruktion verzichten

Recht erstaunt waren wir über den Anblick von 143 359, den sie uns am 29. April 2006 in Dresden Hbf bot. Sie geriet in einen Hagelschauer. Die Betriebsspuren am Lokrahmen weißen auf den harten S-Bahn-Betrieb hin.
Foto: M.Walter

143 015 wartete mit ihrer
S-Bahn direkt am Nachbarbahnsteig auf den Abfahrauftrag. Sie hingegen sieht
durch einen vorhergehenden Regenguß frisch poliert
aus. Foto: M.Walter

Am 21.07.2001 entstand diese Foto bei der Blockstelle Niederzimmern. An diesem Tag ist 143 941, noch im DR-Farbschema lackiert, mit einem Sonderzug zur „Loveparade“ nach Berlin unterwegs.
Foto: M.Schultz

Durch das hervorragende Anfahr- und Bremsverhalten der 143er sind diese Maschinen oft als Zugloks für S-Bahngarnituren anzutreffen. Im Hinter-grund ist das bekannte BW Halle P zu sehen.
Foto: M.Walter

Verkehrsrot sowie Doppelstockwagen. Ein typisches Bild für die heutigen Zuggarnituren der Baureihen 143 und 114. Diese Aufnahme entstand am 1. Oktober 2005 in Berlin Ostbahnhof.
Foto: M.Walter

Leipzig Hauptbahnhof am 29.04 2006. 143 884 ist Zuglok für den RE nach Dresden. Durch die Wendezugsteuerung entfällt das Umsetzen der Loks an das andere Zugende. Vorteilhaft vor allem in Kopfbahnhöfen.
Foto: M.Walter

Ein Zwischenhalt in Berlin auf unserer Herbstexkursion 2005 gab uns die Möglichkeit 114 036 am Ostbahnhof zu fotografieren. Das Ziel dieses Regionalexpresses ist Frankfurt/Oder.
Foto: M.Walter

Keine 5 Minuten später zog 112 123 ihren Interregio-Verband (!) zum Abstellbahnhof Rummelsburg. Äußerlich unterscheiden sich die 112er nur durch die kombinierten Frontscheinwerfer von den 114/143ern.
Foto: M.Walter

Am 22.08.1982 konnte der Prototyp 212 001 während einer Testpause in Weißenfels abgelichtet werden. Die weiße Lackierung mit roten Zierstreifen brachten der Lok den Namen „Weiße Lady“ ein.
Foto: M.Schultz

Auf diesem Bild schiebt eine BR 143 am 02. März 2003 ihre S-Bahn aus dem Hauptbahnhof in Halle/Saale. Zu diesem Zeitpunkt dürfte diese Lok wohl eine der letzten gewesen sein, die noch die DR-Lackierung trug.
Foto: M.Walter